Liebe Miesbacherinnen und Miesbacher,
am morgigen Donnerstag stehen in unserem Stadtrat für die Zukunft Miesbachs wegweisende Entscheidungen an.
Wieder einmal wird über die Zukunft des Zuchtverbands in Miesbach diskutiert und wieder einmal wird über die Herausnahme von Flächen aus dem Landschaftsschutz abgestimmt werden müssen.
Lassen Sie uns dazu noch einmal einige Fakten zusammenfassen.
In Miesbach wurde bisher in diesem Jahr mehr als doppelt so viel Landschaft pro Einwohner verbaut und verplant, als im ganzen Rest Bayerns insgesamt pro Einwohner an neuer Fläche verbraucht wird.
Laut Bayrischem Rundfunk, der sich dabei auf das Statistische Landesamt stützt, werden derzeit etwa 20 Hektar Land täglich in Bayern verbraucht (30 grosse Fussballplätze!). Bei 12.5 Millionen Bayern entspricht das etwa 0.58 Hektar pro Tausend Einwohner und Jahr.
Miesbach ist aber mit seinen circa 11500 Einwohnern nur etwas mehr als ein Tausendstel Bayerns, hat aber heuer bisher für die Erweiterung des Gewerbegebiets Nord bereits 11 Hektar aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen und will nun noch einmal mindestens 3.5 Hektar für den Zuchtverband und nochmals 19 Hektar in Kleinthal herausnehmen. Das wären allein für diese beiden Projekte 33,5 Hektar. Damit allein (und wir reden hier noch nicht von Harzberg, Kreuzberg und anderen!) kann sich jeder ausrechnen, dass diese Fläche fast 3 Hektar (4,5 große Fussballfelder) pro Tausend Einwohner und Jahr entspräche.
Mehr als das 5-fache allein an Landschaftsschutzgebiet steht im krassen Widerspruch zu der auf Landesebene seit 2003 zwischen Landesregierung und Kommunen angestrebten Reduzierung des Flächenverbrauchs. Fläche, die unserer Heimat unwiederbringlich verloren geht.
Dem gegenüber steht das Bedürfnis des Zuchtverbands „angemessen“ untergebracht zu sein. Dazu braucht er seiner Meinung nach 3.5 Hektar – mehr als das Zweifache dessen, was er heute um die Oberlandhalle hat. Und das obwohl, nach uns vorliegenden Zahlen – eine Anfrage der Bürgerinitiative an den Zuchtverband nach seinen Zahlen blieb unbeantwortet - das Geschäft wohl im Wesentlichen nicht wächst. Begründet wird das mit einer möglichen weiteren Zusammenlegung von Zuchtverbänden. Davon wären Verbände betroffen, die bis zu 110 km weit weg sind.
Einmal abgesehen davon, dass uns Landwirte berichten, dass weite Transporte den Tieren nicht zuträglich sind, scheint im Zeitalter der Ölpreissteigerung und des Klimaschutzes ein Konzept, das weitere Transportsrecken vorsieht und dazu noch Landschaft zerstört zumindest äusserst fragwürdig. Zumal die Stallvermittlung aus diesen und verschiedenen anderen guten Gründen ja bereits stark zunimmt.
Nun wird zum guten Schluss noch die Schulbildung unserer Kinder ins Feld geführt, um den – von vielen Miesbachern sehr kritisch gesehenen - Wegzug des Zuchtverbands aus dem Herzen Miesbachs zu unterstützen. Ohne Zweifel ist die Schulbildung unserer Kinder etwas, über das man nicht streiten darf, denn Bildung für unsere Jugend ist eine der besten Investitionen in unsere Zukunft.
Wenn jedoch dazu teurer Gewerbegrund vom Zuchtverband gekauft oder gepachtet werden muss – der Landkreis muss dazu über die Zeit geschätzt bis zu 7.5 Millionen Euro in die Hand nehmen – dann glauben wir, dass auch dieses Szenario wenigstens überprüfenswert ist. Eine – ja schon einmal beschlossene - Lösung unter Einbeziehung der Substanz des alten Krankenhauses könnte zudem den Vorteil haben, dass Miesbach mit der Verwendung des Baus in einem solchen Konzept dann auch in der Zukunft keine weiteren Gelder zur Erhaltung des Krankenhauses aufwenden müsste. Ein Problem, das Miesbach ja bereits mit dem Waitzinger Keller an anderer Stelle die finanzielle Zukunft verbaut.
Jeder Euro, der nicht für teuren Schulgrund ausgegeben werden müsste, könnte den Kindern an anderer Stelle in der Bildung sinnvoll, wie z.B. durch zusätzliche, dringend benötigte Lehrkräfte, zugute kommen. Außerdem hat das Schulbaukonzept um das alte Krankenhausden den großen Vorteil, daß mit historischer Substanz behutsam umgegangen würde, und so Tradition und Zukunft nachhaltig verbunden werden könnte.
Wenn also im Stadtrat über die Zukunft beschlossen wird, sollte dabei weitsichtig an die Zukuft und den wirklichen Vorteil unserer Kinder gedacht werden und Beschlüsse gefasst werden, die wirklich zukunftsträchtig sind:
Ihnen nämlich mit der Landschaft unsere längste und wichtigste Tradition zu erhalten, dazu ein in einer von notwendiger CO2-Reduktion und Transportenergiekosten geprägten Zukunft noch tragfähiges und zukunftssicheres Konzept für den Zuchtverband zu bedenken (Miesbach braucht wirklich keine weiteren teuer erkauften Baudenkmäler) und schliesslich dabei unser Steuergeld an der richtigen Stelle für die Bildung auszugeben.
Wie uns viele Miesbacherinnen und Miesbacher in den Diskussionen bei der Unterschriftensammlung gesagt haben, sind sie für einen wohlbedachten Umgang mit dem was wir heute haben. Doppelter Landschaftsverbrauch und eine überdimsionierte neue Oberlandhalle ausserhalb stehen dafür nicht.

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